Donnerstag, 6. November 2014

"Ein Fünkchen dramatischer bitte!" - Synchron

Hallo ihr da draußen,
ich melde mich nach einer kleinen Pause (ähäm!) mal wieder zurück.
In den vergangenen Wochen hab ich ziemlich viel erlebt. Ich war beim Synchron, eine Woche in London und hatte anschließend ziemlich viel zu tun, weil ein Kollege im Urlaub war und seine Aufgaben von uns mit übernommen werden mussten.
So, aber in diesem Post geht es jetzt erst einmal ums Synchron.
Der Film, der synchronisiert werden sollte, war die erste Folge einer neuen Krimi-Reihe mit Anja Kling. Ein Titel ist noch nicht bekannt, weil sich Regisseur, Produzent und Redaktion nicht wirklich einigen können und jeder die Vorschläge der anderen ablehnt. Nun ja, auf jeden Fall ist der Film schon länger abgedreht und musste nun nachsynchronisiert werden. Das heißt, dass sich der Regisseur den Film ansieht und danach entscheidet, welche Stellen noch einmal eingesprochen werden müssen, weil beispielsweise genuschelt wurde, Nebengeräusche die Stimme übertönen oder doch lieber ein anderer Satz gesagt werden soll.
Dann kommen die Schauspieler, die davon betroffen sind, ins Aufnahmestudio und sprechen eben diese Stellen noch einmal ein, solange bis wirklich alle zufrieden sind.
Soweit die Theorie. Ich durfte also an jenem Mittwoch (15. Oktober), an dem die Aufnahmen angesetzt waren, mit ins Studio um dort Tourist zu spielen und den Leuten einmal über die Schulter zu schauen. Und ganz nebenbei hatte ich so auch die Möglichkeit, Anja Kling und andere Schauspieler wie Tobias Oertel, Andreas Schmidt und Benjamin Sadler kennenzulernen. Es war wirklich sehr interessant. Die Schauspieler müssen sich wieder genau in die gespielte Situation hineinversetzen, damit ihre Stimme genauso verzweifelt oder erfreut klingt wie im Original. Die Schwierigkeit ist nur, dass sie ja in einem kahlen Aufnahmeraum stehen, ohne Requisiten, das richtige Ambiente oder dem Partner, mit dem sie eigentlich reden. Sie sehen zwar den Ausschnitt vor sich auf dem Bildschirm und hören auch, wie sie es ursprünglich gesagt haben, aber trotzdem ist es eine ziemliche Herausforderung. Und, das sage ich jetzt als Laie, man erkennt dabei wirklich, ob es sich um richtig gute oder nur um gute Schauspieler handelt. Es gibt ältere, erfahrenere, die für ein Take (also eine Stelle) 10 Anläufe brauchen und sich damit wirklich schwer tun. Und dann gibt es junge, die vielleicht gerade einen ihrer ersten Filme gedreht haben, und die hauen die Sätze gleich beim ersten Mal so gekonnt raus, dass man wirklich das Studio vergisst und die hervorgebrachten Emotionen hautnah spürt.
Aber es war auch wirklich lustig, die Schauspieler mal außerhalb der Leinwand zu sehen, wenn sie verschlafen und in Jogginghose mit einem Kaffee in der Hand herein kommen und sich noch dafür entschuldigen. Auch Anja Kling hat mich überrascht, als sie den Mund auf machte und nicht wie im Fernsehn hochdeutsch, sonder mit breitem brandenburgischen Akzent, einen Witz nach dem anderen riss.
Die Tonmeister und Regisseuer waren wirklich sehr nett und haben mir viel erklärt. Aber es ist unglaublich, was für ein gutes Gehör sie haben müssen. "Noch ein Fünkchendramatischer, noch weinerlicher, noch verzweifelter". Ich habe da zwar meist kaum einen Unterschied gehört, aber wenn die anderen zufrieden sind, bin ich es auch!
Ja, soviel zum Synchron. Die nächsten Posts, zum Beispiel über die Filmpemiere zu der ich heute Abend gehe, folgen bald!
Liebe Grüße aus Berlin - Mina

Anja Kling
Benjamin Sadler
Andreas Schmidt

PS: Sorry für die schlechte Bildqualität, aber im Studio war es relativ dunkel!

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